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Russland: Öl, Gas, Eisenerz, Seltene Erden und …Diamanten

Russland ist das größte Land auf dieser Erde, in dem sich die weltweit wertvollsten Bodenschätze befinden: Mit 65.4 Billionen Euro verfügt es fast über doppelt so reiche Vorkommen wie die zweitplatzierte Nation, die USA. Um eine solche Zahl überhaupt einordnen zu können, bedarf es eines Vergleichs: Die Bodenschätze Russlands entsprechen in etwa der gesamten Wirtschaftsleistung in Deutschland von 21 Jahren (Quelle: Finanzen 100). Vielleicht erklärt das auch das Selbstbewusstsein von Herrn Putin, aber auch seinen Schmerz über die Demütigung, politisch nicht adäquat als Weltmacht berücksichtigt und geschätzt zu werden.

 

Wer sich mit dem Krieg in der Ukraine, der ja dort schon seit 2014 tobt, näher beschäftigt, ahnt, dass es sich hier nicht nur um die militärische Auseinandersetzung zweier feindseliger Nachbarn handelt. Es ist vielmehr ein Stellvertreter-Krieg, in dem es um den Zugriff auf die Rohstoff-Ressourcen der nächsten Generationen geht, insbesondere um deren Wohlstand in den westlichen Industrienationen. Wer Putin nur für einen machtbesoffenen Psychopathen hält, hat nichts verstanden. Klar, dass es überhaupt keinen Zweifel daran geben kann, dass diese Aggression und die Art seiner Kriegsführung scharf zu verurteilen sind. 

 

Der russische Bär hütet einen Diamantschatz

Russland ist auch der größte Diamantproduzent der Welt. Fast jeder dritte Rohdiamant kommt aus den großen Vorkommen in der sibirischen Tundra.  Mit jährlich über 40 Millionen Karat fördert es über 4x mehr als Südafrika, das bereits auf Platz 7 abgerutscht ist. Damit sind russische Diamanten auch in den Fokus der möglichen Sanktionen gekommen. In Politik und Medien war dann natürlich sofort zu vernehmen, dass Diamanten aus Russland jetzt auch „Blutdiamanten“ sind und sofort geächtet werden müssen. Wahrscheinlich hatten diese Pharisäer morgens noch ausgiebig warm geduscht – das Gas dafür kam ja nicht aus Russland, sondern von den Stadtwerken…

Um unsere Wirtschaft vor schwerwiegenden Einbrüchen zu schützen, dürfen in die EU weiterhin Palladium, Titan, Kupfer, Aluminium etc. aus Russland importiert werden. Und eben auch Diamanten, die vor allem für Belgien mit einem Exportanteil von 5 % einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellen. In Antwerpen werden jährlich Diamanten in einem Warenwert von rund 47 Milliarden Euro gehandelt. 

 

Embargo auf russische Diamanten?

Die USA sind mit ihrem Bann auf russische Diamanten da scheinbar rigoroser und das, obwohl dort allein fast 40 % aller Diamanten weltweit verkauft werden. Was auf den ersten Blick konsequent erscheint, stellt sich aber bei genauerer Betrachtung als Beruhigungspille dar. Von den Sanktionen sind nämlich nur Rohdiamanten betroffen, die sowieso kaum in den USA bearbeitet werden. Bei geschliffenen Diamanten zählt nur der Schleifort und der ist heute bei zehn von zwölf Diamanten in Indien. Allerdings verzichten inzwischen nicht nur in den USA große Juweliersgeschäfte bis auf Weiteres auf das Angebot russischer Diamanten. Auch international haben Branchenverbände die einschlägigen Unternehmen aus Russland ausgeschlossen und zum Boykott aufgerufen. 

Diamanten werden wie fast alle Rohstoffe in US-Dollar bezahlt, die über das amerikanische Transaktionsnetz SWIFT abgerechnet werden. Dieses aber hat Russland nach Kriegsbeginn von jeglichen Zahlungsleistungen ausgeschlossen. Das hat dazu geführt, dass die großen indischen Schleifereien ihre russischen Rohsteine nunmehr mit Euros bezahlen wollen. Aber auch das hat neue Probleme mit sich gebracht, weil sich die ausführenden Banken aus Angst vor amerikanischen SWIFT-Sanktionen geweigert haben, die Euros an den russischen Diamantenkonzern Alrosa zu überweisen. Vor diesem Hintergrund gehen die Mehrheit der Diamant-Insider von einer Verknappung von Rohdiamanten zumindest für dieses Jahr aus.

 

Was bedeutet das für den Diamantmarkt?

Prognosen sind in diesen Zeiten kaum noch seriös zu erstellen. Deswegen seien hier nur die wichtigen Einflussgrößen kurz genannt:

Stabilisierend auf den Diamantpreis wirkt sich die ungebrochene Nachfrage nach Schmuckdiamanten in den USA (+ 33 %!) und den westlichen Industrienationen aus. Zum Erstaunen aller Marktteilnehmer hatte der Run auf Diamanten schon unmittelbar nach Aufhebung des Lockdowns eingesetzt. Es war wohl die Lust, sich wieder etwas gönnen zu können, aber auch die Sehnsucht nach etwas Beständigem. Die Negativzinsen auf Bankguthaben und die dramatisch angesprungenen Inflationsraten treiben bei den hohen Diamantenqualitäten zur Wertsicherung die Nachfrage, aber eben auch die Preise. Die könnten bei Ausbleiben weiterer Lieferungen aus Russland weiter anziehen.

Destabilisierend könnte sich dagegen die „Null-Covid-Strategie“ in China nicht nur auf das dortige Konsumverhalten auswirken, sondern mit all ihren ökonomischen Konsequenzen auch auf die gesamte Weltwirtschaft. Wie weit sich der Krieg in der Ukraine noch zeitlich und geografisch ausdehnen wird, wird ebenfalls einen deutlichen Einfluss auf die weitere Marktentwicklung bei Diamanten haben.

Wie sich alles weiterentwickelt, ist derzeit nicht mit Lupe und Mikroskop auszumachen, sondern bestenfalls mit einer großen Glaskugel. 

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